Pachtvertrag: Kreis will Containerdorf in Waren

von Carina Göls

„Waren. Die Sache gerät in Fahrt. Vor der Debatte um ein Containerdorf in Waren sollen die Weichen nun in Richtung pro Gemeinschaftsunterkunft (GU) gestellt werden. Dieses Signal zumindest kam am Montag aus der Müritzstadt und aus der Kreisverwaltung in Neubrandenburg. Mehr noch. „Ich werde nicht ablassen, Waren als GU-Standort zu realisieren“, sagte Dirk Rautmann, Amtsleiter Zentrale Dienste beim Landkreis. Und schob noch ein „schnellst möglich“ hinterher.
Dass das Areal an den Bahnschienen hinter dem einstigen GHG-Gelände auf rund 17000 Quadratmetern nun ein zentraler Platz für Menschen aus Flucht und Vertreibung werden könnte, sei nicht das Problem. Viel mehr sei es eine Frage der Zeit, noch vor Wintereinbruch Tatsachen zu schaffen.
Doch ein ICE wird der Zug „Containerdorf“ vermutlich nicht mehr. Denn nachdem es in der vergangenen Woche offenkundig noch Unstimmigkeiten zwischen Waren und Neubrandenburg gegeben hatte, ob das Objekt sich für Flüchtlingsunterkünfte überhaupt eignet – schließlich war der Grund seinerseits als Bauland von Waren abgelehnt worden – gibt es nun sogar einen druckfrischen Pachtvertrag aus der Müritzer Verwaltung. Adressiert an den Kreis.
Über Konditionen für die Fläche gab es keine Angaben. Doch, dass die Verwaltung nun endlich mit klaren Positionen auftritt, dass wurde beim Kreis mit einem „Endlich!“ quittiert. Schließlich muss die Kommune bis zum Jahresende noch gut 400 Flüchtlingen Unterkunft bieten und kann noch keine rühmlichen Ergebnisse vorweisen. Die einst als rasch probate Lösung deklarierte „Nölke“-Unterkunft, die auch ein paar Menschen beherbergen könnte, ist zwar laut Stadt noch nicht vom Tisch, aber auch noch ohne Ergebnis. Ein Teil-Eigentümer der Fläche habe noch nicht zugestimmt.
Auf Zustimmung höchst amtlicher Art wartet indes Dirk Rautmann. Schließlich muss das Landesamt für Migration und Flüchtlingsangelegenheiten – das letztlich die Kosten tragen müsste – grünes Licht geben. „Wir haben den Kontakt aufgenommen. Aber es gab noch keine Besichtigung in Waren“, sagte Rautmann. Das dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Dann würde auch der Pachtvertrag aus Waren unter die Lupe genommen werden.
Rautmann hatte am Montag nach eigenem Bekunden das Papier aber noch nicht auf dem Tisch. Aber schon mal ein Warener Planungsbüro in die Spur geschickt, um die Kosten für so ein Containerdorf zu ermitteln und wie viele Menschen dort Platz hätten. Man geht von Hunderten aus. „Unser Ziel ist es, die Fläche in Waren dafür zur Verfügung stellen zu können“, betonte der Mann aus der Verwaltung. Man müsste aber die vorgeschriebenen Wege einhalten, auch wenn die Zeit drängt.
Parallel sei man auch daran interessiert, die Flüchtenden in Wohnungen, privaten Zimmern, Hotels, etc. unterzubringen, also dezentral. Aber in der Warener sehe man eine brauchbare Lösung, um den zu erwartenden Menschen fürs Erste ein Dach über dem Kopf geben zu können. Warum der Pachtvertrag nicht eher vorgelegt wurde und es daraufhin womöglich schon längst einen Besichtigungstermin der Schweriner Migrationsstelle in Waren gegeben hätte, darüber gab es keine Auskunft.
Fakt ist, dass Landrat Heiko Kärger bereits vor Wochen versichert hatte, dass Container geordert seien. Die meisten davon für Waren.“

Quelle: Nordkurier vom 3.11.2015